D i e  G r e n z e n  E u r o p a s.

Europa ist ein Kontinent,
vier mal kleiner als Asien,
drei mal kleiner als der afrikanische Kontinent,
halb so gross wie Nordamerika,
kleiner als Südamerika,
kleiner als der antarktische Kontinent
und nur ein wenig grösser als Ozeanien.

 

An Europas Grenzen liegen, geographisch gesehen,
Asien im Osten,

im Süden das Mittelmeer und Afrika, im Westen der atlantische Ozean

und im Norden das Arktische Eismeer.

 

Wenn wir von der Geographie,
hinüberwechseln zur griechischen Sagenwelt, zum Gründermythos,
so verlassen wir, auf wunderbare Weise,
die uns, von den Geographen, vorgezeichneten Grenzen
und stellen fest, dass Europa eine wunderschöne Prinzessin ist,
geboren im Libanon,
also in einem Land des mittleren Ostens.
In der Tat, war der Vater der Prinzessin Europa
der König von Tyros und Sidon.

 

Etwa so, wie Odysseus Nausikaa am Strand spielen sah,
mit ihren Geführtinnen,
so sah Zeus, eines Tages, die Prinzessin Europa
am Strand von Tyros und Sidon, mit anderen Mädchen spielen;
Geblendet von ihrer Schönheit,
verwandelte er sich alsdann in einen Stier von strahlend weiber Farbe,
mit Hörnern, gleich der Sichel des Mondes.

 

Der Gott des Himmels entführt daraufhin die Prinzessin Europa
über das Meer
und er vereinigt sich mit ihr
auf der Insel Kreta, nahe einer Quelle,
unter den Platanen von Gortys.
Als Zeugnis der Vereinigung des Gottes mit einer Sterblichen,
einer Union, die sich hier vollzog,
verlieren diese Platanen von Gortys, so heiBt es, niemals ihr Laub.

Drei Kinder gehen aus dieser Union hervor:
Minos, Sarpedon und Rhadamantus.

 

Minos, Rhadamantus, begleitet von Aiakos
(der, wie die Sage berichtet, der frömmste aller Griechen war),
wird, in der Fo1ge, das schreckliche Amt zugeteilt erhalten,
über die Seelen der Toten im Jenseits zu richten.
So berichtet es Plato in der Sage des Gorgias (523 e
)

 

 

 

So richten also zwei der Söhne
der Prinzessin Europa und des Himmelsgottes die Toten,
was zumindest zeigt, dass die Söhne und Töchter Europas, die wir sind,
förmlich dazu bestimmt sind, hohe geistige Last zu tragen.

Was aber die Prinzessin Europa selbst betrifft,
so hat sie nach ihrem Tode
göttliche Ehren erlangt.

Das also, sagt die Legende über unsere Herkunft!

Man kann wohl behaupten, dass unsere Gesellschaft,
in der heutigen Zeit,
nicht genug beachtet, was diese Legende uns überliefert:
von den Kindern der Prinzessin Europa,
von allem was Plato wusste,
und vor ihm Pythagoras und die Ägypter,
wenn sie zurecht lehrten, dass
nach dem Tode Gericht gehalten wird,
dass alles schlussendlich ans Licht kommt
und öffentlich aufgezeigt wird
und dass letztlich
die heute so häufig gelebte Devise, nach dem Motto
"Wo kein Schein ist auch kein Sein"
wirklich nur
von kurzsichtigkeit geprägt ist!

 

Wenn wir uns nun der Geschichte zuwenden,
so müssen wir feststellen, dass sich die Europäer sehr oft bekriegt haben.
Allein im 20. Jahrhundert haben sie zweimal
die ganze Welt in ihre Kriege verwickelt
(1914 - 1918 und 1939 - 1945)

das neue Gefüge Europas entstand mit dem Ziel,
in Zukunft, soweit wie möglich,
die Entstehung neuer Kriege in Europa zu verhindern,
um jeden Versuch zu vereiteln, so könnte man sagen,
sich gegenseitig zu Bürgerkriegen hinreissen zu lassen,
die im weiteren Verlauf gefährlich ausufern könnten.

So wurde also 1951
die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (CECA)
von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und Niederlande
gegründet.

Am 25. März 1957, einem Jahrestag, der in wenigen Monaten gefeiert wird,
erfolgte die Unterzeichnung des Vertrages von Rom,
der die EWG (die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft),
also, den sogenannten Gemeinsamen Markt, ins Leben rief.


1973 gesellen sich zu den sechs Gründungsmitgliedern,

Danemark, Grossbritannien und Irland. Das war das Europa der Neun.

1981 tritt auch Griechenland in die EWG ein.

 

1986 kommen auch Spanien und Portugal dazu.
So wurde daraus das Europa der Zwölf.
Zwölf ist die Zahl der Sterne auf seiner Fahne.

 

1995 waren Österreich, Finland und Schweden an der Reihe,
die Europäische Gemeinschaft zu integrieren.
Diese wird nun zum Europa der 15.

 

Aber die Zahl der Sterne auf der Fahne
bleibt zwölf,
warum, das werden wir später erörtern.

Im Jahr 2004 kommen zehn neue Länder zu uns:
vier davon aus Mitteleuropa (Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei),
die drei baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen),
sowie Slowenien
(der Teil des ehemaligen Jugoslawien, der an Österreich grenzt),
die Insel Zypern und die Insel Malta.
Das ist nun das Europa der 25.

 

Rumänien, das Land romanischer Sprache und Kultur,
sowie Bulgarien, werden sich ihrerseits der nunmehrigen EU anschliessen
und werden mit uns gemeinsam das Europa der 27 bilden.

 

Auch die Mitgliedschaft der Türkei steht bereits zur Debatte.

 

Wie aber, wird es weitergehen mit der Europäischen Union?
Wird sich die Arbeitslosigkeit in den "alten" EU-Staaten,
angesichts solcher Erweiterungen nicht erhöhen,
zumal deren Ende nicht abzusehen ist?
Wo sind die Grenzen Europas wirklich?
Was ist eigentlich Europa, in einer Zeit
einer überströmenden Mondialisierung,
sowohl auf wirtschaftlicher, als auch kommerzieller und finanzieller Ebene,
und deren Konsequenzen, den sog. Betriebsauslagerungen?

 

Alle diese, wie auch andere ungelöste Fragen
haben ein Gründungsmitglied der EG, nämlich Frankreich dazu bewogen,
und zwar am 29. Mai 2005,
aufgrund einer Volksbefragung,
die mit einem "Nein" zur vorgeschlagenen europäischen Verfassung endete,
dem weiteren Ausbau der EU, ein vorläufiges Ende zu setzen.
Wenig später
lehnen auch die Niederlande,
ein anderes Gründungsmitglied,
dieses Projekt einer politischen Verfassung ab.

 

 


Diese Verfassung sollte es dem Europa der 25 oder der 27
ermöglichen, reibungslos zu funktionieren.
Denn natürlich braucht ein Europa mit so vielen Mitgliedern
einen Ausbau der bisherigen Regelungen,
die für ein Europa der 12, oder 15 gerade noch genügen konnten.

Wie bereits erwähnt, wird ernsthaft erwogen,
die Türkei in die EU aufzunehmen.
Die Möglichkeit dieses 28. Beitrittes erregt die Gemüter.
Die Türkei ist als Staat bekenntnisneutral und
das Frauenwahlrecht wurde schon 1934 eingeführt,
das heisst zehn Jahre früher, als in Frankreich.
Aber es ist ein Land mit grosser muslimischer Mehrheit,
während die europäischen Länder
zum grössten Teil der christlichen Religion anhängen.
Auch gibt es hinsichtlich der Türkei, das Problem mit Zypern,
einem Mitglied der EU, seit 2004
und dessen Gebiet sich Griechenland und die Türkei streitig machen
und sich gegenwärtig teilen.
Dazu kommt, dass bedeutende armenische Gemeinden
in Frankreich und auch im übrigen Europa,
darauf bestehen, dass die Tatsache des armenischen Völkermordes
während des ersten Weltkrieges
von der Türkei anerkannt wird.

Nachdem Frankreich im Parlament ein Gesetz hat verabschieden lassen,
welches die Leugnung dieses Völkermordes unter Strafe stellt,
und nachdem der Präsident der Republik,
der im Prinzip ja für einen solchen Beitritt zur EU ist,
die Türkei eingeladen hat, über sich hinauszuwachsen
und die Tatsache dieses,
an den Armeniern begangenen Völkermordes, einzugestehn
(wie es Deutschland in Bezug auf die Schoah getan hat),
bringen die türkischen Studenten gegenwärtig Manifeste in Umlauf,
mit der Aufforderung an ihre dortige Bevölkerung,
alle französichen Waren systematisch zu boykottieren.

Das ist der aktuelle Stand.

Bevor wir in die Zukunft blicken,
wenden wir uns zuerst dem Europäischen Rat zu,
der 1949 gegründet wurde,
also vor der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl,
der sog. CECA, die 1951 entstand.
Auch um etliche Jahre früher,
als der Vertrag von Rom
und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die EWG,
die 1957 entstand.

Für die Europäische Gemeinschaft und ihre Entwicklung
hat also der Europarat
seit 1949
die Rolle eines Motors,
eines Antizipationsfaktors, gespielt.
Heute zählt die in einer Krise befindliche Union
25 und in Bälde 27 Mitglieder.


Der Europarat seinerseits,

hat 46 Mitgliedstaaten.

Man könnte sagen, dass die 19 Mitglieder des Europarates,

die noch nicht Mitglieder der Europäischen Union der 25, oder der 27 sind,

sich quasi in einem Wartezimmer befinden

und als potentielle Mitglieder der Europäischen Union
gelten können.

 

Wer sind eigentlich diese 19 Staaten im "Wartezimmer"?

 

Zu allererst die Schweiz, Norwegen und Island:

diese drei Länder wären sicher in der Europäischen Gemeinschaft sehr willkommen

und würden für sie eine natürliche Bereicherung bilden. aber zur Zeit wünschen sie es nicht.

 

Die Fürstentümer von Andorra und Monaco, das Fürstentum Liechtenstein,
und die Republik von San Marino:
diese vier kleinen Staaten, beliebte Ferienziele vieler Europäer,
würden der Europäischen Union keine Probleme bereiten.
Auch sie stellten eine Bereicherung dar.

 

Die Ukraine ist ein Land, dem in seiner politischen Entwicklung
eine "samtene Revolution" gelungen ist,

man könnte sagen, eine Entwicklung auf politisch ritualisierte Art.

Dieses Land hat seinen dringenden Wunsch bekundet, der Europäischen Union beizutreten,

und gerade in diesem Moment

sind diesbezügliche Verhandlungen im Laufen.

 

Der Beitritt Rumäniens erfolgt am 1.Januar 2007

und da die Verhandlungen mit der Ukraine ziemlich weit fortgeschritten sind
dürfte deren beider Nachbar Moldavien

kurze Zeit nachher in den Kreis der Kandidaten gelangen, deren Beitritt möglich erscheint.

Hier wäre das eventuelle Haupthindernis

eher ökonomischer Natur.

 

Armenien ist ein, mit uns befreundetes Land.
Und wir Franzosen wünschten uns
seinen ehestmöglichen Beitritt
zur Europäischen Union.

 

Hier treffen wir erneut auf das Problem mit der Kandidatur der Türkei,

die, zusammen mit eventuellen zukünftigen Beitrittswünschen anderer Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres,

also Georgien und Aserbaidschan,

verquickt werden könnte.

Letzteres Land hat übrigens vor einigen Jahren

mit Armenien Krieg geführt.

 

Europa ist, dank einer aktiven Friedensplanung, ein befriedetes Ganzes.
Innerhalb der Grenzen der Europäischen Gemeinschaft hat es,
seit deren Gründung
keinerlei Kriegshandlung zwischen den Mitgliedern gegeben.

Über die wirtschaftlichen Probleme hinaus,

ist die Fähigkeit,

schwelende Diffenrenzen friedlich beizulegen,

ein entscheidendes Kriterium für die Mitgliedschaft an der Gemeinschaft.

 

Die Gemeinschaft kann es sich nicht leisten,
regionale Gebiete mit konfliktpotenzialen zu integrieren,
die zu internen, bewaffneten Auseinandersetzungen führen könnten.

 

Hier ist eine Art von politischer Reife gefragt, das heiBt, die Gewohnheit,

Konflikte durch Wahlen beizulegen, anstatt mit Bazookas auf der StraBe.

 

So könnte die Bereinigung der Differenzen zwischen Türken und Armeniern,
die Befriedung nach dem kürzlich ausgebrochenen Konflikt
zwischen Aserbaidschan und Armenien,
als Bedingung für einen künftigen friedlichen Eintritt
dieser Länder in den Schoss der Gemeinschaft
als Bedingung angesehen werden.

 

In diesem Sinne könnte man vorschlagen, dass die Türkei und Armenien
nur gleichzeitig
im Schoss der Europäischen Gemeinschaft Aufnahme finden könnten,
das heisst dann, wenn ihre wechselseitigen Beziehungen jenen ähneln,
welche heute zwischen den ehemals so unversöhnlichen Feinden,
nämlich Frankreich und Deutschland, bestehen:
friedlich gewordene Beziehungen nach so vielen blutigen Kriegen.
Denn die deutsch-französische Aussöhnung kann hier
als eine Art Lösungsmodell für alle gegenwärtigen Konfliktherde gelten.

 

Wie befriedet man einen schwelenden Konflikt?
durch Vergebung, durch das Sprechen miteinander,
durch wirtschaftliche Kooperation,
durch friedliche Handelsbeziehungen,
durch die politische und kulturelle Ritualisierung
dessen, was vorher militärischer Konfliktstoff war.

 

Bezogen auf die Türkei,

geht es, wie schon gesagt,

bei der Überwindung der vormaligen und gegenwärtigen Spannungen,
mit dem Ziel einer friedfertigen Aussöhnung

mit ihren Nachbarn,

um die Qualitât ihrer Beziehungen

mit Griechenland und der Insel Zypern.

 

*

 

Unter den Balkanstaaten scheint vorerst
nur Kroatien, in absehbarer Zeit,
für einen Beitritt gerüstet zu sein,
und es ist anzunehmen, dass die geringfügigen Vorbehalte,
die bei einigen EU—Staaten vorerst noch dagegen bestehen,
bald ausgerüumt sein werden.

 

Betrachten wir nun weitere potentielle Beitrittskandidaten:
Bosnien-Herzegowina,
Serbien und Montenegro,
die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien
und Albanien.
Hier sollten wohl die schrecklichen Wunden der Kriege,
als Folge der Zertrümmerung Ex-Jugoslawiens
zuerst vollständig vernarben,
bevor an einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft erwogen werden kann.


Russland:
denken wir an Dichter wie Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Solschenizyn,
an Komponisten, wie Tschaikowsky, Rimski-Korsakow, oder Prokofjew
und an die christlich-orthodoxe Religion, die dort,
trotz der 70- oder 72-jährigen Bolschewikenherrschaft,
nicht mehr, als ein Intermezzo in der Geschichte dieses Landes war,
das sich gerne "das Heilige Russland" nannte;
Russland gehört natürlich auch zu Europa.

 

Aber wir haben hier ein Land, von dem ein grosser Teil
geographisch nicht zu Europa gehört:
man spricht vom "asiatischen Teil Russlands".
General de Gaulle situierte sein Europa
nur vom
"Atlantik bis zum Ural",
das heisst, nur bis zum westlichen Teil Russlands.
Und da gibt es auch das Problem
der russischen Militürmacht.
Russland ist eines der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates
der Vereinten Nationen.
Auch widerspricht hier unser Kriterium von der Friedfertigkeit
des Politischen Seins
und der ritualisierung bei der Konfliktlösung,
all dem, was in Tschetschenien passiert.

 

So kann man gegenwärtig ohne weiteres sagen,
dass die Bedingungen für einen Beitritt Russlands
zur Europäischen Union
nicht erfüllt sind.
Russland hat übrigens auch nicht darum angesucht.

 

Andererseits würde ich mir wünschen, dass
angesichts des von mir betreuten Projektes
"Drei Statuen für Europa",
wobei Russland die Heimat des Ikonenmalers Andrej Rublew ist
und die Ikone "Die Drei Engel" für dieses Projekt
eine wesentliche Rolle gespielt haben,
die Bedingungen für einen Beitritt Russlands zur EU
eines Tages erfüllt sein mögen,
wohl wissend, dass dies gegenwärtig nur ein frommer Wunsch ist.

 

Nachdem wir nun die Situation der 19 künftigen Kandidaten
(die alle Mitglieder des Europarates sind),
im Hinblick auf einen evtl. Beitritt zur EU,
analysiert haben, erhebt sich die Frage:
wo liegen nun eigentlich die Grenzen Europas?

 

Europa ist ein Gebiet des Friedens und des wirtschaftlichen Wohlstands.

 

Eine gewisse politische Reife ist notig,

um Mitglied dieser Gemeinschaft zu werden:

man muss sich daran gewöhnt haben,

die Konflikte au politisch "ritualisierte" weise zu lösen, gewöhnt, regelmässig Wahlen abzuhalten,

gewöhnt, Wahlniederlagen zu akzeptieren,

ohne, dass diese in bürgerkriegsähnliche Zustände ausarten.


Aber, wenn wir Europa so definieren:
Eine Zone des Friedens und des wirtschaftlichen Wohlstandes,
deren Mitglieder sich daran gewöhnt haben,
ihre Konflikte auf ritualisierte Art bei.zulegen
(indem sie miteinander reden, bzw. Wahlen abhalten,
und nicht dadurch dass sie den Gegner umbringen lassen),
liegt der Wunsch nahe, dass diese Zone des Friedens,
des wirtschaftlichen Wohlstands und der politischen Reife
eines Tages
aile Länder der Erde umfasst.

Europa ais Friedenszone wäre dann
eine Art Werkstatt der Zukunft,
zur Konstruktion eines befriedeten Planeten.

Diese potentiell weltumspannende Dimension,
die uns sagen lassen kannte:
Achtung Utopie!
ist uns Franzosen
jedoch nicht fremd.
Unser Wahlspruch "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"
ist in der Tat im Jahr 1948
ein weltweit akzeptiertes Ideal geworden,
wie es Artikel eins der universellen Menschenrechts-Erklärung bekundet:

Alle Menschen sind von Geburt an frei und gleich an Würde und Rechten.
Sie sind mit Verstand und Gewlssen begabt
und verpflichtet, untereinander im Geiste der Brüderlichkeit zu begegnen.

Da nun "alle menschlichen Geschöpfe"

im Geiste der BrUderlichkeit miteinander verkehren müssen,
haben auch alle Europäer diese Verpflichtung.

Aber der Friede, der wirtschaftliche Wohlstand

und das relativ konfliktfreie Funktionieren der politischen Institutionen
in den Landern Europas

wirken wie das Eldorado

aus der Perspektive derjenigen Länder,

Bürgerkrieg, Net und oft Hunger herrschen.

Wegen der Mondialisierung
werden Fabriken ausgelagert
und Arbeitsplätze gehen in unseren Ländern verloren.
Wegen der stark empfundenen Ungleichheiten zwischen Nord und Sud,
beobachten wir das Phänomen
eines Immigrationsdruckes rancher Völker,
z.B. aus Schwarzafrika, aber auch Osteuropa und Asien.

Angesichts dieser ernst zu nehmenden Probleme,
welche die administrativen und sozialen Möglichkeiten der EU-Staaten
zu überfordern scheinen,
keimt in allen diesen Staaten Zorn auf
und die Nationen unterliegen der Versuchung, sich abzukapseln,
bei gleichzeitiger Zunahme der nationalistischen Kräfte.
So in Holland, in Polen, in Ungarn, in Frankreich
und anderen.


Kehren wir nun
in Anbetracht dieser Abwehrreaktionen und Krisen,
dorthin zurück, wo alles begann.
Der Ausbau Europas hat also 1951 begonnen,
bei Kohle und Stahl,
und hat sich 1957 auf die gesamte Wirtschaft ausgeweitet,
mit dem Gemeinsamen Markt
und die Europâische Wirtschaftsgemeinschaft.

Jean Monnet, einer der Begründer des Vorhabens,
sollte später einmal sagen,
und wir sollten uns sehr darüber Gedanken machen:
Wenn man das noch könnte, würde ich bei der "Kultur" beginnen.

Nicht bei Kohle und Stahl,
noch beim Gemeinsamen Markt,
noch beim Euro (der Einheitswährung),
sondern bei der Kultur.

Wir sind Materialisten geworden.
Also glaubten wir, ein so grosses Vorhaben, wie den Ausbau Europas,
nur mit den materiellen Erfordernissen beginnen zu können,
jenen im wirtschaftlichen und finanziellen Bereich.

Sollte man nun aber "bei der Kultur beginnen", wie könnten wir dann

ein gemeinsames Europa aufbauen?

und auf welcher Basis?

Woraus besteht eigentlich das Gemeinsame
der Kulturen der Völker Europas?
Aus ihrer gemeinsamen Bewunderung unserer grossen Erzieher,
das heisst,
Homer, Virgil und Dante,
Aeschylos, Sophokles und Shakespeare,
Leonardo da Vinci, Michelangelo und Rodin,
Pythagoras, Plato und Descartes,
Moliere, Pascal und Hegel,
Voltaire, Schopenhauer und Nietzsche,
Velasquez, Van Gogh und Monnet,
Balzac, Hugo und Joyce
Schiller Goethe und Chopin,
Bach, Beethoven und Debussy,
Mahler, Dostojewsky und Tolstoi,
Visconti, Cervantes und Rabelais
Freud, Adler und Jung,
Newton, Marx und Einstein,
usw. usw.

Das war nur ein kleiner Auszug aus den ganz grossen Namen,
die zusammen mit vielen anderen,

durch ihre Werke,

durch ihre Meisterwerke,

das Europa der Kultur repräsentieren.

 


Betrachtet man den"Boden", oder die "Scholle", auf welchen
diese gigantischen Bäume gewachsen sind,
unter welchen die Kinder Europas gerne Schutz suchen,
so finden wir unbestreitbar,
was die Anfänge der europäischen Kultur betrifft,
die griechische Sprache,
die altrömische Welt und den Judeo-Christianismus,
dann, Jahrhunderte später,
die Renaissance, die Reform,
das Jahrhundert der Erleuchtung und die französische Revolution.
Letztere hat für uns, unter anderen, zum Leitspruch
"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" geführt.
Und dieser Leitspruch ist seinerseits,
durch die universelle Menschenrechts-Erklärung von 1948,
über Europa hinaus,
zu einer Art Welterbe geworden.

Folgten wir der Empfehlung Jean Monnets
(mit der Kultur beginnen),
müsste es uns gelingen, die kulturelle Einheit Europas
auf konsensuelle Weise wahr zu machen.
Und auf dieser Einheit aufbauen,
um dem Ausbau Europas ein solides Fundament zu geben.
Ein Fundament, das nicht nur das der Wirtschaft und der Finanz sein sollte.
Ein Fundament, das die Bejahung gewisser Werte mit einschliesst.

Und gerade da haben wir kürzlich
Schiffbruch erlitten.
Die Einen sagen: "christliche Wurzeln Europas".
Die Anderen verweigern hartnückig, im Namen einer Laizität,
die bei uns früher hauptsächlich anti-katholisch war,
die Bezugnahme auf den Christianismus.

Zur Erläuterung diese Konfliktes
möchte ich hier einen zeitgenössischen Philosophen zitieren,
der ein ehemaliger "Catho" (Schüler einer katholischen Institution) ist,
der aber anlässlich seiner beiden Philosophiesemester Atheist geworden ist,
André Comte-Sponville.
Jenen, die nichts von ihm kennen,
empfehle ich, sich den "Petit Traité des Grandes Vertus",
der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, zu besorgen.

Und das sagt über Europa
dieser Philosoph, der Gott nich anerkennen will:

"Ich habe immer bedauert, dass Jospin und Chirac
sich geweigert haben,
die christlichen Wurzeln Europas
im Text der Unionsverfassung festzuschreiben.
Zu sagen: "Europa ist ein Boden christlicher Tradition",
heisst nicht, über Gott zu befinden;
es ist nur die Feststellung einer geschichtlichen Wahrheit.
Isoliert von diesen christlichen Wurzeln,
ist Europa nur ein grosser Markt".

Dieser bemerkenswerte Text beginnt,
die gegensätzlichen Standpunkte in Einklang zu bringen:
er ist das Werk eines Atheisten,
der eine historische Wahrheit in Erinnerung ruft, inden er sagt:
"Europa ist ein Boden christlicher Tradition".


Gehen wir einen Schritt weiter:
wenn Europa den Lauf der Welt beeinflussen will
und z.B. der Vergüterung von allem und jedem,
was mit der Mondialisierung einhergeht,
wie auch der Idolatrie, rund um den Gott Mannon,
entgegentreten will,
muss es sich seiner christlichen Wurzeln besinnen.

 

Wenn Europa das Problem des Nord-Süd-Ungleichgewichtes meistern will,
ohne dabei seine Pflicht zur Brüderlichkeit zu vergessen,
muss es sich seiner christlichen Wurzeln besinnen
und seinen "Menschenbrüdern" des Südens helfen,
ihren Kontinent auf so attraktive Weise zu gestalten,
dass wir, die Europäer es sind,
die eines Tages den Wunsch haben, in Afrika zu wohnen,
oft und lange.

 

Kommen wir nun zur Schlussfolgerung dieser langen Meditation.


Wo befinden sich die Grenzen Europas?

 

In gewisser Hinsicht,
und das ist ja ein Zeichen der Grosse Europas und seiner Mission,
können solche Grenzen
nicht auf definitive Weise bestimmt werden,

 

denn Europa ist,

wie es Husserl in "Die Krise der Europäschen Humanität u. die Philosophie" so treffend formuliert hat,

durch die Wissenschaft und die Philosophie,

der Kontinent, der das Universelle in sich trägt.

 

Wir haben gesehen, dass diese universelle Dimension
dessen, was in Europa entstanden ist,
sich im Wahlspruch
"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"
wiederfindet, der ursprünglich französich,
zum heute weltweit anerkannten Ideal geworden ist.

 

Um noch besser das Universelle zu erreichen, welches seine Bestimmung ist,
um fähig zu sein, eines Tages
dem Phänomen der Mondialisierung die Zügel anzulegen,
um die, mit den Nord/Süd-Beziehungen zusammenhängenden Probleme,
im Geiste der Brüderlichkeit und Menschlichkeit lösen zu können,
muss unser Kontinent in der Lage sein, den anderen zu sagen:
"Europa ist ein Boden christlicher Tradition".

 

Aus seinem Atheismus heraus,

erinnert

Comte-Sponville an die christlichen Wurzeln Europas.

Der ehemalige stille Atheist, der ich bin,

wurde durch einen Traum dazu gebracht,

auch eine Synthese vorzuschlagen, das heisst:

die laizistische Devise

"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" in Gestalt von drei Engeln zu zelebrieren,


die gleichzeitig die drei Engel der Ikone von Andrej Roublew sind,
jene Engel, die Abraham und seiner Gemahlin Sarah erscheinen,
an der Eiche von Mambre,
im Heiligen Land,
nahe Hebron.

 

Ja, die drei Engel

der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, sind gleichzeitig

auf mysteriüse Weise

die drei Engel,

von denen im Kapitel XVIII des Buches der Genesis die Rede ist.

 

 

Als Beweis für die bivalente Natur

des vorgeschlagenen, dreifachen Denkmals, kann gelten: Personen, die sich als Atheisten bezeichnen,

haben mich zu diesem Projekt ermutigt, ja haben es unterstützt,
oder sind sogar Mitglieder geworden.

 

Es ist also immer wieder ein Versöhnungsprozess nötig,
zwischen dem laizistischen Frankreich
(dem Wahlspruch "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit")
und den biblischen und christlichen Wurzeln unseres Landes
(der durch die Gedenkfeier in Strassburg,
zu Ehren der drei Engel, die einst Abraham erschienen sind,
sichtbar gemacht wird).

 

Was unseren Kontinent
mit seinen christlichen Wurzeln und seiner universellen Berufung betrifft,
so wollen wir hier, die zu wenig bekannte Geschichte
der Europafahne in Erinnerungrufen.
Diese Geschichte lässt uns, unter einem anderen Blickwinkel, erkennen,
wie der Europarat,
der diese Fahne 1955 adoptiert hat,
implizit die Frage beantwortete.

 

Von 1950 bis 1955 waren im Europarat
101 verschiedene Projekte lange Zeit überprüft worden,
um es allen zu ermöglichen,
sich über die Fahne zu einigen.

 

Herr Paul M.G. Levy,
erster Pressedirektor des Europarates,
war beauftragt, das Projekt der Fahne zu einem Abschluss zu bringen.
Da er nicht zeichnen konnte, wandte er sich,
zwecks Veranschaulichung der diversen Vorschläge,
an Herrn Arsène Heitz,
einen Angestellten in der Postabteilung,
der ein sehr guter Zeichner war.

 

Beim Zeichnen jenes Vorschlages,
der letztlich einstimmig angenommen wurde,
mit dem Kreis und den 12 Goldsternen auf azurblauem Grund,
lieB sich Arsène Heitz, der selbst ein Christ war,
von den zwölf Sternen inspirieren,
die auf jener berühmten Medaille zu sehen sind,
die Bezug nimmt auf die Marienerscheinung
der Catherine Labouré
in der Rue du Bac in Paris,
am 18 Juli, wie auch am 27. November 1830.


Zum Verständnis dieser Erscheinungen,

schlage ich vor, zuerst eine russische Ikone des 15. Jh. heranzuziehen.
Sie stellt die Begegnung von Anna und Joachim,

den Eltern Mariens,

vor dem Goldenen Tor des Tempels von Jerusalem, dar.

 

 

 

 


Anne Catherine Emmerick,
von Johannes Paul II.
ein Jahr vor seinem Tode, seliggesprochen,
lässt uns gut begreifen,
was dieser Scene vorherging.

Die Eltern Mariens waren Essener
und gänzlich dem Gedanken ergeben,
aus ihrer Ehe möge die Tochter der Verheissung hervorgehen,
eine , die rein genug sei
dass der Messias, der Israel seit so langer Zeit angekündigt war,
in ihr Gestalt annehmen könne,
durch die Geburt eines Kindes.

Das Paar bekam als erstes Kind
eine Tochter,
aber das war nicht das Kind der Verheissung.
Seit der Geburt jener, die
die ältere Schwester Mariens sein sollte,
war das Paar unfruchtbar geblieben
und Joachim war deshalb Erniedrigungen ausgesetzt,
musste er doch schwer gesündigt haben, so sagte man ihm,
dass Gott ihm weitere Nachkommen verweigert.

Als Folge dieser Vorhalte
wurde Joachim sogar dazu gebracht,
die Schwelle des Tempels künftig nicht mehr zu überschreiten.
Die Eheleute Anna und Joachim
haben daraufhin gemeinsam beschlossen,
künftig nur mehr ein Leben im Gebet zu führen.

Die gewollte Trennung der beiden Eheleute dauerte mehrere Jahre.
Bis zu dem Tag,
als Joachim, der, in der Wüste zurückgezogen, betete,
ein Engel erschien und ihm auftrug, heimzukehren,
indem er die Worte sprach:
"Denn siehe, deine Gemahlin Anna,
wird ein Kind empfangen in ihrem Leibe".


Eine Botschaft gleichen Inhalts erhielt auch Anna
und nur getrieben vom Wunsch,
die Erfüllung der göttlichen Verheissung zu ermöglichen,
gingen Anna und Joachim aufeinander zu.
Das Ehepaar traf sich vor dem Goldenen Tor
des Tempels von Jerusalem.

Es war nach diesem Treffen, als Maria gezeugt
und damit die Erfüllung der göttlichen Verheissung möglich wurde.

Das alles erzählt und zeigt zugleich
die russische Ikone aus dem 15. Jahrhundert.
Während der Erscheinung des 27. November 1830
erhält Catherine Labouré von Maria den Auftrag
eine Medaille mit Ihrem Abbild prägen zu lassen
und rund um dieses Bildnis
die folgenden Worte eintragen zu lassen:

"Oh, Maria,
empfangen ohne Sünde,
bete für die, die Dich um Beistand bitten".

Der Ausdruck "empfangen ohne Sünde",
der so oft missverstanden,

oder läherlich gemacht wird, ist eine Huldigung Mariens

an Anna und Joachim, Ihre Eltern,

und soll Zeugnis geben von der Qualität ihrer Liebe,

die Maria das Leben gegeben hat.

Das ist der Inhalt dessen,
was einige Jahre später,
am 8. Dezember 1854
das Dogma der "unbefleckten EmpfÄngnis"
Mariens
durch Ihre Eltern Anna und Joachim, werden sollte.

Hier ist eine Abbildung dieser Medaille,
wo man sieht, wie Maria Ihren beiden Eltern huldigt
und damit die religiöse Eigenschaft deren ehelicher Liebe hervorhebt.

 

 

 

 



Dann, am 27. November 1830,
scheint das, Catherine Labouré gezeigte Bild sich zu wenden
und Maria zeigt ihr,
was auf der Rückseite der Medaille erscheinen soll:








Der Buchstabe "M",
als Initiale von Maria,
darüber ein Kreuz.
(Maria war ja unter dem Kreuz Ihres Sohnes zugegen)
Unter dem Buchstaben "M",
zwei Herzen:
das des Sohnes und
das seiner Mutter.
Das Herz Jesu ist dornengekrönt.
Wie sein Haupt es am Kreuze war.
Das Herz Mariens wird von einem Schwert durchbohrt
und symbolisiert den unsäglichen Schmerz,
dem Todeskampf Ihres Sohnes beiwohnen zu müssen.
Es ist ebendieses Schwert, das Ihr
durch Simeon
am Tag der Vorstellung Ihres Kindes im Tempel angekündigt wurde:
"Und Dir selbst wird ein Schwert die Seele durchbohren,
damit die innersten Gedanken vieler Herzen offenbar werden."
(Evangelium nach Lukas II, 35).


Ein Kreis mit 12 Sternen


umrandet auf der Rückseite der Medaille den Buchstaben



"M"


das Kreuz
die zwei Herzen,
das des Sohnes und
das seiner Mutter.

Sie ist schwanger und schreit wegen der Geburtswehen".

Das ist also einer der Ursprünge
des Kreises mit den zwölf Sternen
auf der Fahne Europas.

Der spätere, phantastische Erfolg dieser Medaille
- nach ihrer Prägung wurde sie weltweit in Umlauf gesetzt -
war übrigens eine der Anregungen zum Bau,
am Montmartre
der Basilika von "Sacré Coeur"
(das Herz Christi, eines der zwei Herzen der Medaille,
das am 27. November 1830
vor den Augen von Catherine Labouré
gestalt angenommen hatte).

So ist es also der Kreis mit den 12 Sternen auf dieser Medaille,
sie wird "die Wunderbare" genannt,welcher Arsène Heitz vorschwebte,
als er das Motiv zeichnete, welches
nach fünfjährigen Beratungsgesprächen,
1955
die Einstimmigkeit im Europarat erzielte.
Der aufmerksame Leser des Buches
"Ma Rencontre avec le Christ"
von Nahed Mahmoud Metwalli
(Editions F.-X. de Guibert 1994)
wird erkennen
(Seite 36, Note N° 7),
dass die Medaille der Rue du Bac
eine entscheidende Rolle
bei den im Buch geschilderten,
überaus bedeutsamen Vorkomnissen,
gespielt hat
.

*

Der Direktor der Presseabteilung des Europarates seinerseits, erkannte in diesem Kreis mit 12 Sternen,

die berühmten Verse 1 und 2 des Kapitels XII
der Apokalypse nach Johannes

"Ein müchtiges Zeichen erschien am Himmel:

Eine Frau! Die Sonne umgibt sie,

der Mond ist unter ihren Füssen

und

zwölf Sterne

krönen sein Haupt

In dieser gebärenden Frau, deren Haupt mit zwölf Sternen gekrönt ist,
hat die gesamte christliche Tradition
Maria erkannt.

Übrigens, anlässlich der Beratungen im Europarat 1950 bis 1955,
stand, bezüglich der Fahne,
nach der Approbation durch die Versammlung, einmal zur Debatte,
dass der Kreis mit den zwölf Sternen
sich von einem grünen Hintergrund, der Farbe der Hoffnung,
abheben sollte.

Aber auch hier hat man sich einstimmig,

in Anlehnung an die christliche Tradition,

für die azurblaue Farbe entschieden,

in Erinnerung daran

dass dies die Farbe des Mantels Mariens ist,

so wie es auf den mittelalterlichen Miniaturen und Gemälden zu sehen ist.

Wenn Sie nach Strassburg fahren,
können Sie dort übrigens

ein Kirchenfenster von Max Imgrand bewundern,
welches die Jungfrau von Helkenheim darstellt,
die Schutzpatronin von Strassburg;
Sie ist mit dem azurblauen Mantel bekleidet
und trägt die Krone mit den zwölf Sternen.
Dieses Fenster wurde am 21. Oktober 1956
vom Europarat

der Kathedrale von Strassburg gestiftet,

u.zw. als Ersatz eines Fensters, das 1944 bei den Bombardements zerstört wurde.

*

Was die Europiische Gemeinschaft betrifft,
so liess sie ihre Fahne mit den 12 Sternen auf azurblauem Grund
das erste Mal am 29. Mai 1986,
vor den Institutionsgebäuden der Europäischen Gemeinschaft wehen,
die damais erst zwölf Mitglieder zählte,
u. zw. die sechs Gründungsmitglieder,
Dänemark, das Vereinigte Königreich und Irland,
Griechenland,
Spanien und Portugal.

Als 1995 Österreich, Finland und Schweden dazukamen,
und das Europa der 15 entstand,
entschied man sich, nicht drei weitere Sterne auf der Fahne hinzuzufügen.

Damit respektierte man die, der Zahl zwölf

durch den Europarat zugemessene Bedeutung,

als dieser seine Wahl der 12 Sterne so rechfertigen wollte:

... es ist die Ziffer 12, an der wir festhalten,

eine Ziffer als Ausdruck der Vollkommenheit und Fülle,

die sowohl auf die Apostel, wie auch auf die Söhne Jakobs hinweist
und die Tafeln des rdmischen Gesetzgebers,

die Arbeiten des Herkules,
die Stunden des Tages,
die Monate des Jahres,
die Zeichen des Tierkreises".

*

So hat also der Kontinent einerseits Grenzen, andererseits auch nicht.
Er ist, nach der Tradition,
ein christlicher Kontinent,
aber seine Berufung ist
auf vielfältige Weise
universell.

Übrigens, eine der schônsten Formulierungen
der laizistischen Idee

ist ja im Evangelium selbst enthalten:

"Gebt Cäsar was des Cäsars ist und Gott was Gottes ist"

(Evangelium nach Lukas XX, 20 bis 26).

Europa müsste doch eigentlich seinen Lähmungszustand abwerfen können,

wenn es zu einem Forschungslabor wird,

wo wir uns bemühen müssen, auf tausenderlei Arten,

etwas zu erarbeiten, was man eines Tages

die christliche Laizität nennen wird.